Dienstag, 2. Oktober 2007
Essblogg
vio, 16:45h
Heut mal was zum Essen. Bin endlich um halb elf im Office angekommen. War eh schon spät dran, na ja, wie jeden morgen, und dann wurde tatsächlich die Marschrutka bei einer Polizeikontrolle aus dem Verkehr gezogen, der Fahrer versuchte es noch mit ein paar Scheinen, half aber alles nichts, wir mussten aussteigen. Dann hab ich’s mit einer anderen Marschrutka versucht, die fuhr aber nicht dorthin wo ich hinwollte, also bin ich noch den Rest gelaufen. Nun bin ich hier, das Büro wimmelt nur so vor Mitarbeitern, aber Katrin ist nicht da und Internet arbeitet auch nicht (deswegen ist Katrin auch im Internetcafe), also hab ich grad nichts zu tun.
Nun wird’s wirklich Zeit euch mal was über das Essen hier zu erzählen.
Ich esse grad ein kleines usbekisches Fladenbrot „Lepjoschka“ genannt, für 8 Som zum Frühstück. Brot ist also heut noch nicht teurer geworden. Dieses Brot ist wirklich sehr lecker, wird hier in so Öfen, „Tandir“ genannt, gebacken. Wenn man es direkt dort kauft, ist’s immer noch warm, mhhhh. Wird hier überall gegessen, gibt’s auch in Cafes (Das sind hier eigentlich die Restaurants, aber halt billiger). Ansonsten ist das Essen auch nicht schlecht. Im Sommer gibt’s Berge von köstlichen Honig- und Wassermelonen, wobei die Melonen um einiges größer sind als in Deutschland, vor allem die Honigmelonen. Die Melonen werden meist von eingewanderten Chinesen angebaut und am Straßenrand verkauft. Es gibt im Süden auch lagerfähige Melonen, die kann man dann im Winter essen, da bin ich mal gespannt. Aber jetzt sollte man wohl besser keine Wassermelonen mehr essen. Katrin und ihr Freund, der gerade zu Besuch ist habens dennoch getan, ihnen gings eine ganze Nacht ziemlich übel. Im Sommer gibt’s hier jedes Obst und Gemüse: Trauben, Pfirsiche, Aprikosen, Tomaten, Auberginen und und und. Meist wird alles an Ständen am Straßenrand verkauft oder auf kleinen Märkten. So vielfältig das Angebot, um so erstaunlicher, wie klein die Auswahl an Gerichten ist. Es gibt hier ein paar, ich sag mal Nationalgerichte, die haben alle einen Namen und das ist das, was man so meistens bestellen kann. Aber auch zuhause werden stets Gerichte mit Namen gekocht, nie einfach mal ne Suppe aus Gemüse, was man eh schon da hat oder so. Und natürlich ist überall Fleisch drin, aber oft nur ein paar Stückchen, aber ohne ist nur die Pilzsuppe. Also es gibt hier „Plov“, das ist Reis mit ein paar Möhrenschnippeln, viel Öl, wird so angebraten und dazu eben irgendein Tier: Hammel, Rind, Huhn, Hund (neee, Scherz, hab ich glaub noch nicht gegessen, soll aber lecker sein), aber Pferd wird hier wohl schon gegessen. Oft gibt’s noch ein paar frische Kräuter zum Plov. Der Plov variiert aber ziemlich nach Region, in Jalalabat war er mehr gewürzt, schmeckte eher orientalisch, hier in Bischkek ist er eher was langweilig. Dann gibt es „Mante“, das sind mit Fleisch und Zwiebeln gefüllte Nudeltaschen, aber so in der Größe von Maultaschen. Sie werden gekocht und mit „Brauner Butter“ gegessen (Wird hergestellt durch kochen von Sahne, bis das Fett so ausflockt, denk ich, dann wird’s abgeschöpft. Schmeckt echt wie Butter, aber so wie etwas karamellisierte oder heiße Butter und ist wohl ewig haltbar, ich find sie lecker). Mante mag ich nicht besonders. Sie fallen immer fast auseinander, das Fleisch ist oft ziemlich fettig und knorpelig und ansonsten sind sie eher fad. Aber sie werden hier geliebt. Bei dem ersten Mante, das man in seinem Leben ist, hat man sogar einen Wunsch frei! Wir durften oft welche bei Einladungen essen, von denen wir am Anfang echt unzählige hatten. Das schlimme an Mante ist, das die stolze Hausfrau zählen kann, wie viele man ist, und jeder will dem Gast eins auf den Teller legen, und man soll’s dann natürlich auch essen. Uns wurde hier mehrfach gesagt, dass es hier Tradition ist den Teller leer zu essen. Unser Einwand, dass das nur geht, wenn man sich den Teller selber füllt, stieß auf Unverständnis. Wir haben verschiedenste Techniken erprobt um der Mästung zu entgehen, aber es funktioniert nichts wirklich, außer eben einfach irgendwann nichts mehr zu essen, trotz mehrfacher Aufforderungen. Das schlimme ist, oft sitzt die Gastgeberin nur am Tisch um die Gäste zu bewirten, ist und trinkt also selber nichts oder kaum und hat also genügend Zeit einen im Zweiminutentakt höflich aber bestimmt an essen und trinken zu erinnern. Im Russischen ist das auch sehr einfach, hier benutzt man nämlich sehr viel den Imperativ: „kuschai“ („iss“). Was natürlich schon funktionier ist einfach zu sagen, dass man Probleme mit dem Magen oder Darm hat und deshalb nur Schwarztee trinkt. Katrin vewendete diese Methode unfreiwillig häufiger, so musste ich dann umso mehr essen. Meine Verdauung hat sich bis auf gelegentliche Aussetzer ganz tapfer geschlagen. Wir haben immer in großen Mengen „Imodium akut“ gegen Durchfall dabei, wirkt hier teilweise dann aber auch nicht mehr. Katrin war ein paar Tage richtig krank, ich zum Glück nicht. Uns haben auch Kirgisen erzählt, die mal im Europa waren, dass sie in Europa überhaupt keine Probleme hatten, aber zurück in Kirgistan dann.
Oh, ich schweife ab. Dann gibt es noch „Lagman“, das sind so ne Art dicke Spagetti mit Paprikagemüse und Fleischstücken und normalerweise in Suppe. Ich mag gerne „Bocco Lagman“, das ist angebratener Lagman, zwar sehr fettig, aber lecker, meist serviert mit frischen Kräutern, ach und ner Menge Knoblauch. Dann gibt es noch das gleiche mit Reis anstatt diesen Nudeln: „Ganfan“ genannt. Ist auch lecker. Gefüllte Paprika, also mit Fleisch und Reis und Knoblauch, ist ein weiteres Gericht. Und „Schaschlik“, vor allem im Sommer schwer beliebt, aber auch wirklich lecker: sind mit Zwiebeln marinierte Fleischstücke (Hammel, Rind oder Huhn) am Spieß gebraten (wirklich große Spieße, mit denen kann man jemanden erstechen, hat mit unseren deutschen Spießchen nichts zu tun) auf so speziellen, kastenförmigen Grills. Schaschlick-Grills sind übrigens ebenfalls verantwortlich für die miese Luft in Bischkek, es gibt sie in jedem Cafe und sie qualmen fast so schlimm wie Mülltonnen.

(Schaschlik beim Picknick in den Bergen)
Dann gibt’s noch „Besch Parmak“ (= fünf Finger) oder so, ist mit verschiedenen Fleischsorten was, haben wir aber noch nicht gegessen. Ich mag „Dim Damar“ ganz gerne. Das sind einfach Kartoffeln, Kohl, Möhren und Paprika mit Fleischstücken in viel Öl geschmort. Mh, jetzt muss ich schon überlegen, ach ja es gibt noch die russische Kohlsuppe „Borschtsch“ und die Tortellini „Pelmeni“ und sonst noch ein paar Suppen. Die meisten Sachen sind schon lecker, aber nicht groß gewürzt oder so, schmecken auch nicht fremd. Fleisch ist haltDie kleine Auswahl wird uns langsam etwas eintönig. Aber ich koch jetzt ab und zu auch zuhause, dann gibt’s mal was anderes. Aber meistens ess ich einfach in Cafes „Bocco Lagman“. Die Essenseinladungen haben fast aufgehört, jetzt vermiss ich sie manchmal ein bisschen.
Nun wird’s wirklich Zeit euch mal was über das Essen hier zu erzählen.
Ich esse grad ein kleines usbekisches Fladenbrot „Lepjoschka“ genannt, für 8 Som zum Frühstück. Brot ist also heut noch nicht teurer geworden. Dieses Brot ist wirklich sehr lecker, wird hier in so Öfen, „Tandir“ genannt, gebacken. Wenn man es direkt dort kauft, ist’s immer noch warm, mhhhh. Wird hier überall gegessen, gibt’s auch in Cafes (Das sind hier eigentlich die Restaurants, aber halt billiger). Ansonsten ist das Essen auch nicht schlecht. Im Sommer gibt’s Berge von köstlichen Honig- und Wassermelonen, wobei die Melonen um einiges größer sind als in Deutschland, vor allem die Honigmelonen. Die Melonen werden meist von eingewanderten Chinesen angebaut und am Straßenrand verkauft. Es gibt im Süden auch lagerfähige Melonen, die kann man dann im Winter essen, da bin ich mal gespannt. Aber jetzt sollte man wohl besser keine Wassermelonen mehr essen. Katrin und ihr Freund, der gerade zu Besuch ist habens dennoch getan, ihnen gings eine ganze Nacht ziemlich übel. Im Sommer gibt’s hier jedes Obst und Gemüse: Trauben, Pfirsiche, Aprikosen, Tomaten, Auberginen und und und. Meist wird alles an Ständen am Straßenrand verkauft oder auf kleinen Märkten. So vielfältig das Angebot, um so erstaunlicher, wie klein die Auswahl an Gerichten ist. Es gibt hier ein paar, ich sag mal Nationalgerichte, die haben alle einen Namen und das ist das, was man so meistens bestellen kann. Aber auch zuhause werden stets Gerichte mit Namen gekocht, nie einfach mal ne Suppe aus Gemüse, was man eh schon da hat oder so. Und natürlich ist überall Fleisch drin, aber oft nur ein paar Stückchen, aber ohne ist nur die Pilzsuppe. Also es gibt hier „Plov“, das ist Reis mit ein paar Möhrenschnippeln, viel Öl, wird so angebraten und dazu eben irgendein Tier: Hammel, Rind, Huhn, Hund (neee, Scherz, hab ich glaub noch nicht gegessen, soll aber lecker sein), aber Pferd wird hier wohl schon gegessen. Oft gibt’s noch ein paar frische Kräuter zum Plov. Der Plov variiert aber ziemlich nach Region, in Jalalabat war er mehr gewürzt, schmeckte eher orientalisch, hier in Bischkek ist er eher was langweilig. Dann gibt es „Mante“, das sind mit Fleisch und Zwiebeln gefüllte Nudeltaschen, aber so in der Größe von Maultaschen. Sie werden gekocht und mit „Brauner Butter“ gegessen (Wird hergestellt durch kochen von Sahne, bis das Fett so ausflockt, denk ich, dann wird’s abgeschöpft. Schmeckt echt wie Butter, aber so wie etwas karamellisierte oder heiße Butter und ist wohl ewig haltbar, ich find sie lecker). Mante mag ich nicht besonders. Sie fallen immer fast auseinander, das Fleisch ist oft ziemlich fettig und knorpelig und ansonsten sind sie eher fad. Aber sie werden hier geliebt. Bei dem ersten Mante, das man in seinem Leben ist, hat man sogar einen Wunsch frei! Wir durften oft welche bei Einladungen essen, von denen wir am Anfang echt unzählige hatten. Das schlimme an Mante ist, das die stolze Hausfrau zählen kann, wie viele man ist, und jeder will dem Gast eins auf den Teller legen, und man soll’s dann natürlich auch essen. Uns wurde hier mehrfach gesagt, dass es hier Tradition ist den Teller leer zu essen. Unser Einwand, dass das nur geht, wenn man sich den Teller selber füllt, stieß auf Unverständnis. Wir haben verschiedenste Techniken erprobt um der Mästung zu entgehen, aber es funktioniert nichts wirklich, außer eben einfach irgendwann nichts mehr zu essen, trotz mehrfacher Aufforderungen. Das schlimme ist, oft sitzt die Gastgeberin nur am Tisch um die Gäste zu bewirten, ist und trinkt also selber nichts oder kaum und hat also genügend Zeit einen im Zweiminutentakt höflich aber bestimmt an essen und trinken zu erinnern. Im Russischen ist das auch sehr einfach, hier benutzt man nämlich sehr viel den Imperativ: „kuschai“ („iss“). Was natürlich schon funktionier ist einfach zu sagen, dass man Probleme mit dem Magen oder Darm hat und deshalb nur Schwarztee trinkt. Katrin vewendete diese Methode unfreiwillig häufiger, so musste ich dann umso mehr essen. Meine Verdauung hat sich bis auf gelegentliche Aussetzer ganz tapfer geschlagen. Wir haben immer in großen Mengen „Imodium akut“ gegen Durchfall dabei, wirkt hier teilweise dann aber auch nicht mehr. Katrin war ein paar Tage richtig krank, ich zum Glück nicht. Uns haben auch Kirgisen erzählt, die mal im Europa waren, dass sie in Europa überhaupt keine Probleme hatten, aber zurück in Kirgistan dann.
Oh, ich schweife ab. Dann gibt es noch „Lagman“, das sind so ne Art dicke Spagetti mit Paprikagemüse und Fleischstücken und normalerweise in Suppe. Ich mag gerne „Bocco Lagman“, das ist angebratener Lagman, zwar sehr fettig, aber lecker, meist serviert mit frischen Kräutern, ach und ner Menge Knoblauch. Dann gibt es noch das gleiche mit Reis anstatt diesen Nudeln: „Ganfan“ genannt. Ist auch lecker. Gefüllte Paprika, also mit Fleisch und Reis und Knoblauch, ist ein weiteres Gericht. Und „Schaschlik“, vor allem im Sommer schwer beliebt, aber auch wirklich lecker: sind mit Zwiebeln marinierte Fleischstücke (Hammel, Rind oder Huhn) am Spieß gebraten (wirklich große Spieße, mit denen kann man jemanden erstechen, hat mit unseren deutschen Spießchen nichts zu tun) auf so speziellen, kastenförmigen Grills. Schaschlick-Grills sind übrigens ebenfalls verantwortlich für die miese Luft in Bischkek, es gibt sie in jedem Cafe und sie qualmen fast so schlimm wie Mülltonnen.

(Schaschlik beim Picknick in den Bergen)
Dann gibt’s noch „Besch Parmak“ (= fünf Finger) oder so, ist mit verschiedenen Fleischsorten was, haben wir aber noch nicht gegessen. Ich mag „Dim Damar“ ganz gerne. Das sind einfach Kartoffeln, Kohl, Möhren und Paprika mit Fleischstücken in viel Öl geschmort. Mh, jetzt muss ich schon überlegen, ach ja es gibt noch die russische Kohlsuppe „Borschtsch“ und die Tortellini „Pelmeni“ und sonst noch ein paar Suppen. Die meisten Sachen sind schon lecker, aber nicht groß gewürzt oder so, schmecken auch nicht fremd. Fleisch ist haltDie kleine Auswahl wird uns langsam etwas eintönig. Aber ich koch jetzt ab und zu auch zuhause, dann gibt’s mal was anderes. Aber meistens ess ich einfach in Cafes „Bocco Lagman“. Die Essenseinladungen haben fast aufgehört, jetzt vermiss ich sie manchmal ein bisschen.
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