Dienstag, 2. Oktober 2007
Am Strand des Issykkul


So warm ists leider nicht mehr, nun wirds Winter. Hab mir endlich eine warme Jacke gekauft auf dem Dordoi-Basar. Nun kann der Winter kommen. Richt schon nach Schnee.

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Jurten am Strassenrand


Hier kann man Kymys kaufen, die vergorene Stutenmilch, brrrr

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Essblogg
Heut mal was zum Essen. Bin endlich um halb elf im Office angekommen. War eh schon spät dran, na ja, wie jeden morgen, und dann wurde tatsächlich die Marschrutka bei einer Polizeikontrolle aus dem Verkehr gezogen, der Fahrer versuchte es noch mit ein paar Scheinen, half aber alles nichts, wir mussten aussteigen. Dann hab ich’s mit einer anderen Marschrutka versucht, die fuhr aber nicht dorthin wo ich hinwollte, also bin ich noch den Rest gelaufen. Nun bin ich hier, das Büro wimmelt nur so vor Mitarbeitern, aber Katrin ist nicht da und Internet arbeitet auch nicht (deswegen ist Katrin auch im Internetcafe), also hab ich grad nichts zu tun.
Nun wird’s wirklich Zeit euch mal was über das Essen hier zu erzählen.
Ich esse grad ein kleines usbekisches Fladenbrot „Lepjoschka“ genannt, für 8 Som zum Frühstück. Brot ist also heut noch nicht teurer geworden. Dieses Brot ist wirklich sehr lecker, wird hier in so Öfen, „Tandir“ genannt, gebacken. Wenn man es direkt dort kauft, ist’s immer noch warm, mhhhh. Wird hier überall gegessen, gibt’s auch in Cafes (Das sind hier eigentlich die Restaurants, aber halt billiger). Ansonsten ist das Essen auch nicht schlecht. Im Sommer gibt’s Berge von köstlichen Honig- und Wassermelonen, wobei die Melonen um einiges größer sind als in Deutschland, vor allem die Honigmelonen. Die Melonen werden meist von eingewanderten Chinesen angebaut und am Straßenrand verkauft. Es gibt im Süden auch lagerfähige Melonen, die kann man dann im Winter essen, da bin ich mal gespannt. Aber jetzt sollte man wohl besser keine Wassermelonen mehr essen. Katrin und ihr Freund, der gerade zu Besuch ist habens dennoch getan, ihnen gings eine ganze Nacht ziemlich übel. Im Sommer gibt’s hier jedes Obst und Gemüse: Trauben, Pfirsiche, Aprikosen, Tomaten, Auberginen und und und. Meist wird alles an Ständen am Straßenrand verkauft oder auf kleinen Märkten. So vielfältig das Angebot, um so erstaunlicher, wie klein die Auswahl an Gerichten ist. Es gibt hier ein paar, ich sag mal Nationalgerichte, die haben alle einen Namen und das ist das, was man so meistens bestellen kann. Aber auch zuhause werden stets Gerichte mit Namen gekocht, nie einfach mal ne Suppe aus Gemüse, was man eh schon da hat oder so. Und natürlich ist überall Fleisch drin, aber oft nur ein paar Stückchen, aber ohne ist nur die Pilzsuppe. Also es gibt hier „Plov“, das ist Reis mit ein paar Möhrenschnippeln, viel Öl, wird so angebraten und dazu eben irgendein Tier: Hammel, Rind, Huhn, Hund (neee, Scherz, hab ich glaub noch nicht gegessen, soll aber lecker sein), aber Pferd wird hier wohl schon gegessen. Oft gibt’s noch ein paar frische Kräuter zum Plov. Der Plov variiert aber ziemlich nach Region, in Jalalabat war er mehr gewürzt, schmeckte eher orientalisch, hier in Bischkek ist er eher was langweilig. Dann gibt es „Mante“, das sind mit Fleisch und Zwiebeln gefüllte Nudeltaschen, aber so in der Größe von Maultaschen. Sie werden gekocht und mit „Brauner Butter“ gegessen (Wird hergestellt durch kochen von Sahne, bis das Fett so ausflockt, denk ich, dann wird’s abgeschöpft. Schmeckt echt wie Butter, aber so wie etwas karamellisierte oder heiße Butter und ist wohl ewig haltbar, ich find sie lecker). Mante mag ich nicht besonders. Sie fallen immer fast auseinander, das Fleisch ist oft ziemlich fettig und knorpelig und ansonsten sind sie eher fad. Aber sie werden hier geliebt. Bei dem ersten Mante, das man in seinem Leben ist, hat man sogar einen Wunsch frei! Wir durften oft welche bei Einladungen essen, von denen wir am Anfang echt unzählige hatten. Das schlimme an Mante ist, das die stolze Hausfrau zählen kann, wie viele man ist, und jeder will dem Gast eins auf den Teller legen, und man soll’s dann natürlich auch essen. Uns wurde hier mehrfach gesagt, dass es hier Tradition ist den Teller leer zu essen. Unser Einwand, dass das nur geht, wenn man sich den Teller selber füllt, stieß auf Unverständnis. Wir haben verschiedenste Techniken erprobt um der Mästung zu entgehen, aber es funktioniert nichts wirklich, außer eben einfach irgendwann nichts mehr zu essen, trotz mehrfacher Aufforderungen. Das schlimme ist, oft sitzt die Gastgeberin nur am Tisch um die Gäste zu bewirten, ist und trinkt also selber nichts oder kaum und hat also genügend Zeit einen im Zweiminutentakt höflich aber bestimmt an essen und trinken zu erinnern. Im Russischen ist das auch sehr einfach, hier benutzt man nämlich sehr viel den Imperativ: „kuschai“ („iss“). Was natürlich schon funktionier ist einfach zu sagen, dass man Probleme mit dem Magen oder Darm hat und deshalb nur Schwarztee trinkt. Katrin vewendete diese Methode unfreiwillig häufiger, so musste ich dann umso mehr essen. Meine Verdauung hat sich bis auf gelegentliche Aussetzer ganz tapfer geschlagen. Wir haben immer in großen Mengen „Imodium akut“ gegen Durchfall dabei, wirkt hier teilweise dann aber auch nicht mehr. Katrin war ein paar Tage richtig krank, ich zum Glück nicht. Uns haben auch Kirgisen erzählt, die mal im Europa waren, dass sie in Europa überhaupt keine Probleme hatten, aber zurück in Kirgistan dann.
Oh, ich schweife ab. Dann gibt es noch „Lagman“, das sind so ne Art dicke Spagetti mit Paprikagemüse und Fleischstücken und normalerweise in Suppe. Ich mag gerne „Bocco Lagman“, das ist angebratener Lagman, zwar sehr fettig, aber lecker, meist serviert mit frischen Kräutern, ach und ner Menge Knoblauch. Dann gibt es noch das gleiche mit Reis anstatt diesen Nudeln: „Ganfan“ genannt. Ist auch lecker. Gefüllte Paprika, also mit Fleisch und Reis und Knoblauch, ist ein weiteres Gericht. Und „Schaschlik“, vor allem im Sommer schwer beliebt, aber auch wirklich lecker: sind mit Zwiebeln marinierte Fleischstücke (Hammel, Rind oder Huhn) am Spieß gebraten (wirklich große Spieße, mit denen kann man jemanden erstechen, hat mit unseren deutschen Spießchen nichts zu tun) auf so speziellen, kastenförmigen Grills. Schaschlick-Grills sind übrigens ebenfalls verantwortlich für die miese Luft in Bischkek, es gibt sie in jedem Cafe und sie qualmen fast so schlimm wie Mülltonnen.


(Schaschlik beim Picknick in den Bergen)

Dann gibt’s noch „Besch Parmak“ (= fünf Finger) oder so, ist mit verschiedenen Fleischsorten was, haben wir aber noch nicht gegessen. Ich mag „Dim Damar“ ganz gerne. Das sind einfach Kartoffeln, Kohl, Möhren und Paprika mit Fleischstücken in viel Öl geschmort. Mh, jetzt muss ich schon überlegen, ach ja es gibt noch die russische Kohlsuppe „Borschtsch“ und die Tortellini „Pelmeni“ und sonst noch ein paar Suppen. Die meisten Sachen sind schon lecker, aber nicht groß gewürzt oder so, schmecken auch nicht fremd. Fleisch ist haltDie kleine Auswahl wird uns langsam etwas eintönig. Aber ich koch jetzt ab und zu auch zuhause, dann gibt’s mal was anderes. Aber meistens ess ich einfach in Cafes „Bocco Lagman“. Die Essenseinladungen haben fast aufgehört, jetzt vermiss ich sie manchmal ein bisschen.

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Freitag, 14. September 2007
Alltag

Tschuldigung, erleb so viel, dass mir die Zeit zum schreiben abhanden gekommen ist. Versuch mal ein bisschen was zu unserer Arbeit hier zu erzählen, schließlich ist das hier unsere Hauptaufgabe neben Urlaub machen.
Also, wenn wir nicht gerade am Issykkul-See abhängen oder in den Süden fahren, haben wir hier einen fast normalen Alltag in Bishkek. Ich stehe meist so gegen halbacht auf, nehme die Marschrutka, die zum Glück vor meiner Haustüre startet, so dass ich auf der 50 Minuten-Fahrt meist einen Sitzplatz habe, latsche zum Office vorbei an vielen kleinen Kiosk-Läden und Obstständen, Bauarbeitern und qualmenden Mülltonnen und wenn ich dann so gegen viertel nach neun da bin, bin ich meist eine der ersten, außer unserem Mitarbeiter, der im Büro wohnt (Also nicht das ihr denk, er hätte dort ein Zimmer, nur einen großen Schrank wo eine Matte zum schlafen drin verstaut ist. In ein vorheriges Büro wurde mal eingebrochen, seitdem ist eigentlich immer jemand über Nacht hier. Außerdem verdient er nach unserer Schätzung so 200 Dollar, so kann er hier umsonst wohnen. Wenn wir grad schon bei den Wohnverhältnissen sind, die sind hier schon echt anders. Auf dem Land haben sie meist echt großzügige Häuser, aber in der Stadt wohnen die meisten schon sehr beengt. Unsere Vorsitzende wohnt in einer kleinen Dreizimmerwohnung mit ihrer Tochter, mit ihrem Neffen, seiner Frau und seinen zwei kleinen Kindern, und einer weiteren Nichte. Das haben wir bis jetzt so rausgefunden, aber vielleicht wohnen da noch mehr.) Also, ich komme im Büro an, es gibt erstmal Tee, dann arbeiten wir für ein paar Stündchen, natürlich erst nachdem jeder einmal gefragt hat, wie man geschlafen hat und wie man zum Büro gekommen ist. Ich werd auch oft gefragt was mein Russisch macht, dabei kann es sich hier kaum verbessern, hier reden alle kirgisisch oder mit uns eben englisch. Wir hatten auch schon angedacht, kirgisisch zu lernen was aber mangels Lehrbücher kaum möglich ist. Aber ich find mich zurecht, das ist die Hauptsache. Mittags wird’s dann wieder unruhig, entweder gehen wir im Cafe um die Ecke was essen oder es holt jemand usbekisches Fladenbrot und Wassermelone und wir essen im Büro. Nachmittags geht’s meist zu wie im Bienenstock, ständig kommt jemand rein sagt hallo, stellt irgendwelche Floskelfragen und später wird noch mal Tee getrunken. Die Gespräche kreisen oft ums Heiraten, gespickt mit vielen Witzen über Brautraub. Ist schon komisch, einerseits wollen sie mit ihren Selbsthilfegruppen das Thema bearbeiten, andererseits hat der eine Kollege, also der eine Neffe, seine Frau auch gekidnappt, er hat sie zwar erst gefragt und erst nachdem sie nein sagte, hat er sie entführt. Aber so ist er echt nett.

Wir versuchen momentan einen Fragebogen fertig zu stellen. Erst wollten wir ja einen Film drehen, aber nun können wir doch eine Evaluation mit ihnen machen. Ich erklär’s kurz von vorne. Die NGO „Erayim“ in der wir arbeiten, hat vor zehn Jahren angefangen, Selbsthilfegruppen in den neuen Siedlungen rund um Bishkek zu gründen. Diese Siedlungen bedecken ein riesiges Gelände am Rande der Stadt. Wir haben neulich mal ein paar Gruppen dort besucht. Ich wohn dort auch in der Nähe, aber noch in einem Mietshaus aus der Sowjetzeit. Die Häuser sind in diesen Siedlungen meist ziemlich groß, sehen so aus wie auf dem Lande. Bis vor ein zwei Jahren sind die Menschen einfach aus allen Teilen des Landes, glaub aber vor allem aus südlichen Regionen, nach Bishkek gekommen und haben gebaut, wo sie wollten. Seit ein paar Jahren verkauft die Stadt das Land, der Grundstückspreis ist für die Verhältnisse hier ziemlich teuer geworden. Aber es hat keine Zwangsräumungen und Zerstörungen gegeben wie in Kasachstan in solchen illegalen Siedlungen, auch mussten die Bewohner die bereits dort gebaut hatten, nichts nachzahlen. Aber es gibt dort halt kaum Infrastruktur, also kein Telefon, Gas oder Straßen. Straßen fehlen dort wirklich am dringendsten, es sind einfach breite Staub- und Schotterpisten, es ist sehr schwierig darauf zu fahren, so dass nur sehr wenige öffentliche Verkehrsmittel dort durch kommen. Aber es ist auch nicht so toll da zu laufen, danach ist die Hose bis zur Hüfte eingesaut, bin mal gespannt wie das dort im Winter wird, wahrscheinlich eine riesige Schlammwüste. Auch rennen da sehr viele Hunde rum, ist was unangenehm, aber auch Kühe und Esel und viele Kinder. Und es kommen jedes Jahr neue Häuser hinzu.

Selbsthilfegruppe (=SHG) ist hier was anderes als bei uns, es ist ein Konzept aus Indien: In einer Selbsthilfegruppe sind Leute aus einer Nachbarschaft zusammen, so um die zehn bis zwanzig Leute. Jeder zahlt eine Eintrittsprämie, die ist aber nicht wahnsinnig hoch, soll ja für arme Menschen sein, und dann zahlt jeder einen monatlichen Beitrag. So spart die SHG Geld an, was sie dann als Kredite an ihre Mitglieder auszahlen kann. Die Gruppe entscheidet an wen und unter welchen Bedingungen. So können die Mitglieder sich gegenseitig helfen. Manche renovieren mit dem Geld ihr Lädchen, andere kaufen zwei Nähmaschinen und eröffnen eine Schneiderei, oder Kühe um die Milch weiter zu verkaufen, andere brauchen einfach das Geld für Notlagen. Andererseits können diese Gruppen auch Kredite von Banken und Mikrokreditinstituten bekommen, welche ein einzelnes Mitglied alleine nicht bekommen hätte. Das ist im Prinzip so das wichtigste an dem Konzept, aber „Erayim“ bietet auch wie die meisten anderen Organisatoren, zum Beispiel UNDP, Schulungen an in den Bereichen Geschäftsführung, Fundraising, Menschenrechte, gesunder Lebensstil, Demokratie, Geschlechtergleichheit u.ä. an, um so den Menschen bessere Zukunftschancen zu geben. Während Erayim bis vor zwei Jahren nur in den neuen Siedlungen von Bishkek gearbeitet hat, hat die UNDP im ländlichen Raum Selbsthilfegruppen gegründet. Seit zwei Jahren arbeitet unsere Organisation aber auch im ländlichen Raum. Nun sollen wir eine Umfrage machen, um rauszubekommen, wie und ob die anderen SHG, also die von der UNDP gegründeten zum Beispiel, anders arbeiten, aber auch was sie an ihrer Arbeitsweise verbessern könnten. Mittlerweile haben wir drei Fragebögen erstellt, einen für Mitglieder von SHG, einen für die Koordinatoren von SHG und einen für ehemalige Mitglieder, um rauszubekommen, warum manche SHG instabil sind u. ä. Gerade sind wir an der Übersetzung, ist wirklich nicht leicht, aber einen Testlauf haben wir schon gemacht, die Fragen können wirklich nicht deutlich und einfach genug sein.
Morgen fahren wir dann für eine Woche in den ersten Oblast (wie Bundesland) um mit der Erhebung zu beginnen, sind schwer gespannt.

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Dienstag, 21. August 2007
Fortbewegung in Bishkek

(Also in Bischkek reitet keiner, aber auf dem Land sind viele auf Pferd und Esel unterwegs)

Bishkek ist wirklich eine schöne Stadt, auch nicht zu riesig, sehr grün durch die vielen Parkanlagen mit vielen Freiluft-Kaffees und Denkmälern. Aber die Fortbewegung war am Anfang schon sehr gewöhnungsbedürftig: Man muss fast überall hin mit diesen „Marschrutkas“ fahren: Man muss die Routen der einzelnen Nummern kennen und sich dann so an die Straße stellen, dass sie gut anhalten kann und wenn dann die passende Nummer angebraust kommt wedelt man mit dem Arm so abwärts und sie hält an. Dann steigt man in diesen umgebauten Mercedes oder VW Sprinter. Die meisten kommen aus Deutschland, aber ich frag mich schon, ob so viele jemals in Deutschland herumfuhren, dass in Staedten wie Moskau, Kiew und Bishkek ein beachtlicher Teil des oeffentlichen Nahverkehrs von ihnen erbracht werden kann. Man klammert sich also irgendwo fest, kramt fünf Som, ungefähr 10 Eurocent, aus der Tasche und gibt sie dem Fahrer. Das ist jedoch noch alles einfach, dass Problem ist, man muss dem Fahrer sagen wo er anhalten soll, und wenn man die Stadt nicht kennt ist das schon ziemlich schwierig, aber das größte Problem ist dass man meist nicht rausschauen kann, weil man irgendwo eingeklemmt zwischen zig Kirgisen steht und die Fenster zu niedrig sind. Um rauszuschauen muss man sich irgendwie nach unten biegen. Naja, am besten man quetscht sich irgendwann nach vorne durch und hofft dass es ungefähr die richtige Ecke ist, sagt zum Fahrer „astanavitie paschalusta“ dann hält er kurz darauf und wenn man dann ausgestiegen ist läuft man eben den Rest. Aber die letzten drei Tage bin ich genau da ausgestiegen wo ich hin wollte. Fuehl mich schon viel freier.

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Anreise
nun bin ich bald einen ganzen Monat weg, aber ich glaub ich bin erst jetzt so halbwegs angekommen. Heut ist mein erster Sonntag an dem ich allein ein paar Stunden zu hause bin. Hab einfach mal ausgeschlafen, dann gabs ein „deutsches“ Frühstück mit einer Brotscheibe (!) mit Schmierkäse und einer Tasse Nescafee, mhmmm.
So jetzt ein bisschen der Reihe nach.
Also wir (meine Projektpartnerin Katrin und ich) sind am Mittwoch den 18. Juli von Berlin aus mit dem Nachtzug nach Kiew (Ukraine) gestartet. Die Nächte davor jeweils nur zwei Stunden geschlafen, ich war also etwas neben mir. Diese Fahrt war nicht so spektakulär: Dreierabteil, also drei Betten übereinander, in dem untersten schlief ein kleines Mädel aus dem Nebenabteil. Der Grenzübergang nach Polen war kurz vorm Schlafengehen. Dann folgte ein Radwechsel, da die in Polen andere Schienen haben als in Deutschland. Die Fahrt durch Polen war leider in der Nacht, morgens dann die Grenze zur Ukraine und wieder ein Radwechsel, da in Ländern der ehemaligen Sowjetunion die Schienen wieder anders sind. Wichtig: Die Toiletten sind immer abgeschlossen bei längeren Aufenthalten, also auch an den Grenzen und bei den Radwechseln und das kann durchaus mehrere Stunden dauern. Die Ukraine, wie wir sie aus dem Zug sehen konnten war sehr flach, viele Kornfelder, kleine Bauernhöfe, Heuwagen von Pferden gezogen, aber auch viel brachliegendes Land, riesige leerstehende Landwirtschaftsgebäude, dazwischen ein winziger Garten mit Gemüse. Abends sind wir dann in Kiew angekommen: Düsterer Bahnhof, viele Taxifahrer, lange Treppen und keine Fahrstühle oder Rolltreppen und wir mit elend viel Gepäck. Wir wurden von zwei Ukrainerinnen abgeholt, die Katrin über diesen Internationalen Übernachtungsclub gefunden hatte (www.hospitalityclub.net oder so ähnlich), was auch gut war, denn ohne genaueste Ortskenntnisse kann eine Taxifahrt in Kiew sehr schwierig werden, dass stellten wir dann einen Tag später fest. Der Taxifahrer kannte die Adresse nicht und seine Karte war ohne Randbezirke, wo wir aber hinmussten. Trotz Lotsen am Telefon brauchten wir über eine Stunde heim und ich musste die ganze Zeit. Bis auf die Verkehrsmittel waren die zwei Tage in Kiew echt schön. Eine wirklich tolle Stadt: Schöne Kirchen, viele Parks, große Boulevards, gute ukrainische Fastfoodketten und echt nette freundliche Menschen. Wirklich eine Stadt zum Wohlfühlen. Von der Währung hatte ich früher noch nie gehört: Ukrainische Grüfnie oder so ähnlich. Nach zwei Tagen gings dann weiter nach Moskau. Nun hatten wir für die rund 20 Stunden dauernde Fahrt in der billigsten Klasse gebucht: Platzkartnije, d.h. Großraumabteil mit zwei Etagen Betten, immer zwei gegenüber und am Gang noch mal zwei. Es war heiß, so um die 33 Grad und im Zug noch viel heißer: Alles voll halbnackter ukrainischer Männer auf dem Weg zur Arbeit in Moskau. Aber sie waren alle sehr freundlich zu uns, wurden auch nicht zu aufdringlich und tranken auch kaum Wodka. Mitten in der Nacht kurz vor der Grenze nach Russland wurde es dann ziemlich lebhaft im Zug, überall wurden irgendwelche Tüten und Taschen unter die Sitze geschoben. Aber die Zollbeamten hatten an diesem üblichen Schmuggel kein Interesse, nur Katrin musste den Inhalt ihres Waschbeutels zeigen, wobei die Beamtin zum Glück kurz vor dem mitgeführten Trängas das Interesse verlor. Am Morgen kamen wir dann in Moskau an. Da wir beide schon mal da waren, war unser Programm dort eher von den Vorbereitungen für die dreieinhalbtage dauernde Fahrt nach Bishkek geprägt: Lebensmittel besorgen, die sich mit kochendem Wasser dann zubereiten lassen, Gepäck so packen, dass man nicht an den Koffer während der Fahrt muss und vor allem ausgiebig vorduschen . Den letzten Tag haben wir dann mit dem Bruder einer kirgisischen Freundin von Katrin und seinem Freund verbracht. Noch mal schöne Fotos auf dem Roten Platz gemacht, Essen gegangen, und dann haben sie uns zum Zug gebracht: Sie halfen uns das Gepäck falsch zu wiegen, wir hatten natürlich viel mehr als erlaubt dabei, und die Schaffnerin und unsere Platznachbarn wurden gebeten, gut auf uns aufzupassen. Wir hatten wirklich nette Nachbarn: Ein russisches Ehepaar mittleren Alters auf dem Weg in ihre ehemalige Heimat Kirgistan. Bis auf die Hitze war die Zugfahrt echt angenehm und ruhig. Lesen, aus dem Fenster schauen, plaudern, russisch lernen, Fotos machen und zwischendurch sich irgendwie in dieser Minizugtoilette waschen und umziehen ohne an die Toilette zu stoßen. Wir haben es sogar geschafft unsere Haare zu waschen: mit der einen Hand am Wasserhahn drücken, damit Wasser kommt mit der anderen das Shampoo verteilen. In diesen Zügen gibt es immer einen großen Samowar mit heißem Wasser für Tee und Tütenessen. An den längeren Aufenthalten kann man aber auch aussteigen und bei den vielen Verkäuferinnen, oft alte Mütterchen, Obst, Gemüse, Brot, Eis, Wasser, Zigaretten, Alkohol, Kaviar, Räucherfisch, Melonen und vieles mehr kaufen. Wir haben aber nur Wasser und Brot gekauft, wir haben schon sehr aufgepasst, dass wir uns nicht den Magen verderben. Die längste Zeit gings durch das riesige Kasachstan: Wüste, Steppe, Wüste, Sandberge, Esel, Pferde, Kamele, der von einer weißen Salzkante umgebene Aralsee, Wüste, kleine grüne Oasen, karge Berge. Nach drei Tagen kam dann nachts die Grenze zu Kirgistan und unsere erste negative Grenzerfahrung: Wir sollten irgendein Papier haben für unser Gepäck, was wir aber nicht hatten, und was ja auch sonst kein Problem war, wir hatten nur unseren Wisch mit dem falsch gewogenen Gepäck, ob dass das Problem war, ließ sich auch nicht rauskriegen. Zumindest holten die Milizionäre Katrin raus, da sie besser russisch sprach wahrscheinlich, und ich saß bibbernd beim Gepäck und hoffte inständig, dass sie bald wieder käme. Sie kam dann auch zum Glück. Sie wollten halt ein bisschen Geld haben, hundert Rubel, also ca. 2,50 Euro, oder wir sollten aussteigen und den nächsten Zug nehmen, da hat Katrin lieber gezahlt. Um drei Uhr sind wir dann im düsteren Bishkek angekommen. Dieser Bahnhof und die ganze Stadt ist nachts wirklich so gut wie stockfinster, aber Burul, eine Schwester von Katrins kirgisischer Freundin holte uns zum Glück mit männlicher Begleitung ab. Dann haben wir erstmal geduscht und ausgeschlafen.

(Wir mit vielen Mitarbeitern von Erayim auf dem Weg zum Issykul)

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Intro
hab mich nun doch entschieden, einen Blog zu eroeffnen. So kann jeder das lesen, was ihn interessiert, aber ueber persoenliche mails freu ich mich trotzdem sehr und werd sie natuerlich auch beantworten...

Issykul in Kg

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